Radikal, gefährlich und regressiv: AfD Helferich-Lager in Lünen wächst

Wer ist der Bundestagsabgeordnete Matthias Helferich?

Kurz: Ein rechtsextremer geistiger Brandstifter mit erheblichem Einfluss innerhalb der AfD NRW. Trotz zahlreicher menschenverachtender Aussagen sowie geleakter E-Mails und Chats mit NS- und Goebbels-Bezügen reichte es nicht für ein Parteiausschlussverfahren. Letztendlich entschied sich ein Parteischiedsgericht für seinen Verbleib in der AfD. [Quelle]

Bereits 2005 fiel Helferich mit seiner ekelhaften Ideologie und Rhetorik auf:

Zitate: „Raus, raus, Ausländer raus“, soll Matthias Helferich aus dem Nichts gebrüllt und dabei auf Jessika Nilsson gezeigt haben. Und: „Du bist nicht arisch!“ Es ist kurz nach Mitternacht in der Jugendherberge St. Swidbert 2005. Bei einem Treffen der Schülerunion in Düsseldorf hatten der 17-jährige Helferich und andere junge CDU-Anhänger noch länger in einer Turnhalle zusammengesessen. Darunter auch die Schwedin Jessika Nilsson. [Quelle]

Dem voraus gingen geleakte E-Mails und Chats aus seiner Zeit in der CDU und der Burschenschaft Frankonia. In zahlreichen Nachrichten fanden sich Bezüge zur Rassenlehre und zu Joseph Goebbels. Auch Aussagen wie „Advent, Advent, ein Asylheim brennt“ wurden bekannt. [Quelle] [Quelle] [Quelle]

Matthias Helferich formte übrigens auch die Junge Alternative (JA) in NRW. Selbst nach der Auflösung der JA, bindet Helferich weiterhin einige der ehemaligen JA Jugendlichen und jungen Erwachsenen an sich. Somit hat Helferich direkten Einfluss auf die Jugend und radikalisiert junge Menschen. [Quelle]

Weitere menschenverachtende Aussagen während seiner Amtszeit: Hier


Helferich-Einfluss im Kreis Unna wächst, auch in Lünen

Seit die Höcke-Freunde Hans-Otto und Brigitte Dinse den ehemaligen Kreisvorstand der AfD Unna führten, wuchs gleichzeitig der Einfluss von Matthias Helferich im Kreis Unna. Seit 2025 wird der Kreisverband von Stephan Grubendorfer, Johannes Kohlhaas-Müller und Peter Peciak geführt. Bereits 2023 soll Helferich über das Selmer AfD-Mitglied Adam Blöck Hetzbriefe gegen Migrant*innen in Selm-Bork verteilen lassen haben. [Quelle]

Hans-Otto und Brigitte Dinse sind weiterhin aktiv

Wer nun glaubt, die Dinses seien politisch inaktiv, weil beide keine entsprechenden Ämter mehr außerhalb Schwertes bekleiden, irrt sich. Zuletzt wurden beide im April 2026 am Büro von Matthias Helferich gesehen. Bei diesem Vernetzungstreffen soll es um „russisch-deutsche Beziehungsarbeit“ gegangen sein.

Quelle: Recherche Nord

Machtkampf innerhalb der AfD-NRW

Beim letzten Landesparteitag in Marl zeichnete sich die Spaltung zwischen dem Landesvorsitzenden Martin Vincentz und dem Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich deutlich ab. In NRW tobt ein Machtkampf um Einfluss zwischen dem eher pragmatischen Lager um Vincentz und dem radikal völkisch-nationalistischen Lager um Helferich. Während des Landesparteitages wurde öffentlich gegeneinander ausgeteilt und es kam zu gegenseitigen Vorwürfen und Diffamierungen. Auch wenn Vincentz die Mehrheit hinter sich bringen konnte, dürfte der Machtkampf damit längst nicht beendet sein. Helferich versucht weiterhin, Orts- und Kreisverbände auf seine Seite zu ziehen und damit seinen Einfluss innerhalb der Landespartei auszubauen. Dazu später mehr. [Quelle] [Quelle]


Denis Fellner: treuer Parteisoldat für Helferich

Mittlerweile bekennt sich Denis Fellner öffentlich als „Helferich-Treu“ und positioniert sich damit gegen Stephan Grubendorfer, den Vorsitzenden des AfD Kreisverbandes Unna. Grubendorfer hatte Fellner für einen kritischen Facebook Beitrag über den deutschen Fußballspieler Antonio Rüdiger kritisiert. Nun könnte Grubendorfer (Vincentz-Lager) selbst vor einem Parteiausschlussverfahren stehen. Sollte es dazu kommen, könnte dies für Fellner eine weitere Möglichkeit eröffnen, den Einfluss des Helferich Lagers im Kreis Unna auszubauen. [Quelle]

Zitat aus den Ruhrnachrichten: Denis Fellner, AfD Ratsherr aus Lünen, Mitglied des Kreisvorstands und Direktkandidat im Landtagswahlkreis Unna II, wollte sich gegenüber dieser Redaktion nicht zum Konflikt mit Grubendorfer äußern. Auf die Frage nach seiner Position im innerparteilichen Machtkampf wurde er jedoch deutlich. „Von meiner Person her stehe ich klar zu Matthias Helferich“, sagt Fellner.

Fellner schießt gegen Vincentz in Telegram-Gruppen

Die Vernetzung zwischen lokalen Querdenker Strukturen und der Lüner AfD ist längst kein Geheimnis mehr und wurde hier bereits mehrfach thematisiert. Die einst so systemkritischen Querdenker, die nach eigenen Aussagen bis Mitte 2025 nichts mit Parteien zu tun haben wollten, sind mittlerweile nur noch Fußsoldaten der AfD-Lünen. Damit lassen sie sich von einer neoliberalen Partei instrumentalisieren, die sie früher selbst als Teil des politischen Systems kritisiert haben. Chapeau! [Quelle] [Quelle]

Mittlerweile bewirbt Denis Fellner die Querdenker Montags Treffen in Lünen eigenständig auf Facebook. Aus vermeintlich systemkritischen Menschen sind damit politische Unterstützer der AfD geworden. Was einst als Widerstand gegen „das System“ verkauft wurde, endet nun in der Unterstützung einer Partei, die selbst Teil des parlamentarischen Systems ist. Widersprüchlicher könnte es kaum sein.

Natürlich nutzt Fellner auch die Telegram-Gruppe der Querdenker für den NRW-Lagerkampf und spaltet aktiv. Bisher waren die Querdenker gut für den kommunalen Wahlkampf, nun kann man sie auch gleich für den völkisch-nationalistischen Flügel einstimmen.


Warum Nordrhein-Westfalen für die AfD so wichtig ist

Mit mehr als 18 Millionen Einwohner*innen gehört NRW zu den bevölkerungsreichsten Bundesländern Deutschlands. Viele Menschen bedeuten auch viele Wähler*innenstimmen. Entsprechend groß ist die Bedeutung NRWs für die innerparteilichen Machtkämpfe der AfD. Wer in NRW Einfluss gewinnt, kann diesen auch auf Bundesebene ausbauen.

Dabei spielt es letztlich keine Rolle, ob sich das sogenannte pragmatische oder das völkisch-nationalistische Lager durchsetzt. Beide stehen für eine Politik, die Menschen ausgrenzt und gesellschaftliche Gruppen gegeneinander in Stellung bringt. Für Migrant*innen, queere Menschen und politische Gegner*innen bleibt eine stärker werdende AfD deshalb eine reale Bedrohung.

Umso wichtiger ist es, nicht müde zu werden und keine Angst davor zu haben, sich der AfD und ihrer menschenfeindlichen Politik entgegenzustellen. Wenn die Demokratie schwächelt, vor allem in Krisenzeiten, begüngstigt die Demokratie leider faschistische Bestrebungen und Auswüchse (historisch). Deshalb reicht alleine der Kampf gegen die AfD nicht aus! Antifaschismus bedeutet mehr, als nur auf rechte Parteien zu reagieren. Wir müssen gleichzeitig wieder stärker Gewerkschaften unterstützen, Beschäftigte und Arbeiter*innen organisieren und ihnen den Rücken stärken. Wir müssen zeigen, dass soziale Sicherheit, Solidarität und eine gerechte Gesellschaft keine Gegensätze sind, sondern die Grundlage für eine bessere Zukunft.

Ebenso wichtig ist ehrenamtliches Engagement in sozialen Einrichtungen. Gerade Menschen, die von Ausgrenzung, Armut oder rechter Hetze betroffen sind, dürfen nicht alleine gelassen werden. Auch eine stärkere Vernetzung mit Streetworker*innen und anderen Menschen, die einen direkten und vertrauensvollen Draht zu Jugendlichen haben, kann dabei helfen.

Antifaschismus beginnt nicht erst dort, wo rechte Gewalt stattfindet. Er beginnt im Alltag, in den Betrieben, in den Vereinen, auf der Straße und überall dort, wo Menschen füreinander einstehen. Wir sollten den Rechten nicht die Deutungshoheit über unsere Gesellschaft überlassen. Solidarität, soziale Gerechtigkeit und konsequenter Widerstand gegen Menschenfeindlichkeit sind die bessere Antwort.

Die Normalisierung rechter Kräfte beginnt mit der Medienwirksamkeit

Nein, hier geht es nicht um Kontaktschuld oder Unterstellungen. Wenn sich jedoch die Lüner Bürgermeisterin, Martina Förster-Teutenberg (SPD), auf dem letzten Kinofest lächelnd mit der AfD Lünen ablichten ließ, kann man den „demokratischen Sinn“ dahinter schon in Frage stellen. Vor allem wenn eine der Personen auf dem Foto zuvor negative Schlagzeilen machte (mutmaßliche Gewalt gegen eine Frau mit einem Baseballschläger und Lagerung von Waffen im Keller).

Da bringt es auch nichts, wenn man in einem Interview sagte: „Die AfD ist demokratisch gewählt worden, also gehe ich mit denen um, wie mit den anderen Parteien.“. Wer die Demokratie verteidigen will, kann Menschenfeinde nicht normalisieren, nur weil diese „demokratisch“ wählbar sind. Mit dieser Art von lokaler Medienwirksamkeit betreibt man einen Bärendienst für die Demokratie in seiner Stadt.


Schulter an Schulter!

Verlasst euch nicht allein auf den kommunalen Parlamentarismus, wenn ihr eure Stadt wirklich progressiver, solidarischer und gerechter gestalten wollt.

Selbst wenn ihr mit eurer Reichweite auf Social Media nur wenige Menschen erreicht, Bildungscontent erstellt, aufklärt oder euch aktiv für marginalisierte Menschen einsetzt, bewegt ihr damit oft mehr, als so mancher kommunale Stadtrat jemals erreichen wird.

Lasst euch von rechtskonservativen Parteien nicht als „laute Minderheit“ abtun. Lasst euch nicht kleinreden, nicht einschüchtern und schon gar nicht zum Schweigen bringen. Eure Stimme ist wichtig. Eure Solidarität ist wichtig. Euer Engagement ist wichtig.

Eine schwächelnde Demokratie repariert man nicht nur mit Wahlen und Parlamenten. Demokratie lebt davon, dass Menschen aufstehen, widersprechen und sich einmischen. Sie lebt davon, dass wir füreinander einstehen, wenn andere ausgegrenzt, angegriffen oder zum Schweigen gebracht werden.

Kämpft für eure Selbstbestimmung. Kämpft für eine solidarische Gesellschaft. Kämpft für die Freiheit jedes Menschen, unabhängig von Herkunft, Geschlecht, sexueller Identität oder sozialem Status.

Und vor allem: Keinen Fußbreit den völkisch Nationalen und ihren menschenfeindlichen Ideologien. Wir überlassen ihnen weder unsere Straßen noch unsere Städte und schon gar nicht unsere Zukunft.


Verwendete und erweiterte Quellen: